Schnittschutzklassen: 

Die technische Basis für sicheres Arbeiten
mit der Motorsäge

Wer mit einer Motorsäge arbeitet, setzt sich enormen Kräften aus.
Die Kette einer modernen Säge, z.b. die Kette der Stihl Carving Säge MS201, bewegt sich mit
Geschwindigkeiten von bis zu 28 Metern pro Sekunde.
Da der menschliche Körper diesen Kräften nichts entgegensetzen kann,
wurde die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) entwickelt um ihn vor diesen Belastungen zu schützen.


Das Herzstück dieser Sicherheit sind die genormten Schnittschutzklassen.
In diesem Bericht erfahren Sie wie der Schnittschutz physikalisch funktioniert, 
welche Unterschiede es zwischen den Klassen 0 bis 3 gibt und warum die Wahl 
der richtigen Schutzkleidung über Leben und Gesundheit entscheiden kann.

Die Funktionsweise:

Wie Textil eine Stahlkette stoppt

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Schnittschutzkleidung wie ein Panzer wirkt der die Kette einfach abprallen lässt. 
Tatsächlich beruht das Prinzip auf einer gezielten Zerstörung und Blockade.

Der Aufbau der Schutzeinlagen

Hinter dem robusten Oberstoff einer Schnittschutzhose oder Jacke befinden sich mehrere Lagen (meist 6 bis 9 Schichten) aus extrem langen und reißfesten Hochleistungsfasern. Diese Fasern liegen lose übereinander und sind nicht fest mit dem Oberstoff verwebt.

Der Blockade Mechanismus

Sobald die rotierende Sägekette den Stoff berührt, geschieht in Millisekunden folgendes:

  • Aufreißen: Die Zähne der Kette durchtrennen den Oberstoff.
  • Herausreißen: Die Zähne verfangen sich in den losen Schutzfasern und reißen diese bündelweise aus der Hose heraus.
  • Blockieren: Diese langen Fasern werden durch die Bewegung der Kette in das Antriebsritzel (die Kupplungstrommel) der Motorsäge gezogen.
  • Stillstand: Die Fasern wickeln sich so fest um das Ritzel, dass die Mechanik der Säge sofort blockiert. Die Kette steht still bevor sie tieferes Gewebe erreichen kann.


Die Schnittschutzklassen im Vergleich

Die Einteilung in Klassen erfolgt nach der maximalen Kettengeschwindigkeit, bei der die Schutzeinlage die Kette noch sicher stoppen kann. Diese Werte werden unter standardisierten Prüfbedingungen ermittelt.


Vergleichstabelle Schnittschutzklassen 0 bis 3 für Motorsägen nach Kettengeschwindigkeit in m/s für Forstarbeiten. Jess Black

Zuordnung der Kettengeschwindigkeiten nach Maschinenmodellen

Die Wahl der Schutzkleidung sollte sich im Idealfall immer nach der maximalen Kettengeschwindigkeit richten.
Hier ist eine kleine Übersicht mit einigen Motorsägen von Stihl, Husvqrna, Echo und Makita. Diese Auflistung soll zeigen, welche Kettengeschwindigkeit bestimmte Motorsägen erreichen und welche Schnittschutzklasse theoretisch erforderlich wäre.

Schnittschutzklasse 0 (bis 16 m/s)

Häufig bei kompakten Akkusägen für den Gartenbau oder beim Entasten zu finden.

  • Stihl: MSE 170, MSE 190, MSE 210 (Elektrosägen)
  • Husqvarna: 120i, 330i
  • Makita: DUC302, DUC353 (bei Verwendung im Eco-Modus oder mit Standard-Akkus)
  • Echo: CCS-58V (Akku-Serie für leichte Gartenarbeiten)

Schnittschutzklasse 1 (bis 20 m/s)

Die Standardklasse für die meisten Allround-Benzinsägen und starke Akku-Modelle.

  • Stihl: MS 170, MS 180, MS 231, MS 251, MS 271
  • Husqvarna: 120 Mark II, 135 Mark II, 435, 445
  • Makita: DUC353, DUC355 (im Standardbetrieb erreichen diese oft ca. 20 m/s)
  • Echo: CS-310ES, CS-3510ES, CS-362WES (beliebte Einstiegsmodelle)

Schnittschutzklasse 2 (bis 24 m/s)

Für leistungsstarke Profi-Sägen, die oft in der Forstwirtschaft genutzt werden.

  • Stihl: MS 261, MS 362, MSA 300 (High-End Akku)
  • Husqvarna: 540i XP (Akku), 550 XP Mark II, 560 XP
  • Makita: UC011G, UC012G (XGT 40V Max Serie, diese Sägen haben deutlich mehr Power)
  • Echo: CS-4510ES, CS-501SX 

Schnittschutzklasse 3 (bis 28 m/s)

Maximaler Schutz für Starkholzsägen und hochdrehende Spezialsägen.

  • Stihl: MS 500i, MS 661 sowie die MS 201 C-M (wichtig im Carving-Bereich bei hohen Drehzahlen)
  • Husqvarna: 572 XP, 592 XP
  • Echo: CS-621SX, CS-7310SX (die Schwergewichte von Echo für die Starkholzernte)


Form A oder Form C:

Der partielle Schnittschutz

Ein wesentlicher Aspekt bei der Auswahl von Schnittschutzhosen ist die Verteilung der Schutzeinlagen. 
Hier wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden:

Form A (Partieller Schutz)

Dies ist die gebräuchlichste Form für bodengebundene Waldarbeit. Der Schnittschutz befindet sich ausschließlich auf der Vorderseite der Beine. Er deckt jedes Bein von der Hüfte bis zum Knöchel ab und ragt jeweils ca 5 cm über die Innen und Außenseite der Beine hinaus. Da die Gefahr meist von vorne kommt bietet Form A einen guten Kompromiss aus Sicherheit und Tragekomfort (Belüftung der Rückseite).

Form C (Rundumschutz)

Bei Form C ist das gesamte Bein rundherum mit Schnittschutzeinlagen versehen. Diese Hosen sind deutlich schwerer und wärmer bieten aber Schutz bei Arbeiten in ungewöhnlichen Positionen. Dies ist besonders für Personen wichtig die in der Baumpflege arbeiten oder in unwegsamem Gelände bei dem die Säge auch von hinten an das Bein geraten könnte.


Pflege und Verschleiß: 

Wann ist der Schutz abgelaufen?

Schnittschutzkleidung ist kein Produkt für die Ewigkeit. 
Die Schutzfunktion kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden:


  • Verschmutzung: Harz, Öl und Schweiß können die Fasern verkleben. Verklebte Fasern können nicht mehr schnell genug herausgerissen werden um das Ritzel zu blockieren.
  • Falsches Waschen: Zu hohe Temperaturen oder Weichspüler zerstören die Struktur der Fasern.
  • Alterung: Experten empfehlen Schnittschutzhosen nach ca 12 bis 18 Monaten intensiver Nutzung oder nach spätestens 5 Jahren (bei Gelegenheitsnutzung) zu ersetzen da die Fasern spröde werden.
  • Beschädigung: Sobald der Oberstoff so weit eingerissen ist, dass die weißen Schutzfasern sichtbar sind oder gar durchtrennt wurden, muss die Kleidung sofort ersetzt werden. Ein Flicken der Schutzeinlagen ist lebensgefährlich und sollte strikt vermieden werden.

 

FAQ Sektion

Wie funktioniert der Schnittschutz bei Klasse 1 Hosen technisch? 

Sobald die Kette mit bis zu 20 m/s den Stoff berührt werden lose Fasern aus der Schutzeinlage herausgerissen. 
Diese wickeln sich um das Ritzel der Säge und blockieren sie sofort. 

Warum ist Klasse 3 Schnittschutz für Einsteiger oft nicht ideal? 

Klasse 3 Hosen sind durch die vielen Faserschichten schwer und steif. 
Dies kann zu schnellerer Ermüdung führen was das Unfallrisiko erhöht. Einsteiger, im Bereich der Kettensägenschnitzerei und Holzkunst in Deutschland, sollten eher zur Klasse 1 oder 2 greifen, um die nötige Beweglichkeit beim Schnitzen zu erhalten.

Verliert eine Schnittschutzhose mit der Zeit ihre Schutzklasse? 

Ja durch Verschmutzung Harz oder falsches Waschen. Sicherheitsbewusste Kettensägenschnitzer prüfen ihre PSA regelmäßig,
 da verklebte Fasern im Ernstfall nicht mehr zuverlässig blockieren. 

Gibt es Handschuhe die auch Klasse 1 Schnittschutz bieten? 

Da die Schnittschutzhandschuhe für die feine Kettensägenschnitzerei beweglich bleiben müssen,
sind die Klassen 0 (16 m/s) und Klasse 1 (20 m/s) weit verbreitet.
Wir weisen jedoch darauf hin, dass selbst bei den kleinen Benzin Sägen, wie z.B. der MS 170,
schon Klasse 1 Handschuhe erforderlich wären, um schwere Unfälle 
in der Kettensägenschnitzerei und der Schnitzkunst Deutschland zu vermeiden.


Kann ich eine Schnittschutzjacke der Klasse 0 für leichte Sägen nutzen? 

Ja für Elektrosägen oder Akku Carving Sägen mit maximal 16 m/s ist Klasse 0 ein passender Schutz.
 In der Kettensägenschnitzerei und Holzkunstszene sollte man jedoch darauf achten,
dass die PSA immer zur Leistung der Maschine passt. 

Vom Fachwissen zur praktischen Ausrüstung. 
Du kennst nun die technischen Unterschiede der Schnittschutzklassen 0 bis 3 für deine Stihl oder Husqvarna Säge. Doch welche Hose, Stiefel und Helme bieten das beste Preis Leistungs Verhältnis für den Einstieg in die Kettensägenschnitzerei? Wir haben für dich die günstigsten Angebote von Fachhändlern wie Grube und Lamm verglichen, damit du sicher und kosteneffizient starten kannst.